Priesterweihe

Priesterweihe„Die ganze Kirche ist ein priesterliches Volk. Dank der Taufe nehmen alle Gläubigen am Priestertum Christi teil. Diese Teilnahme nennt man >gemeinsames Priestertum der Gläubigen<. Auf seiner Grundlage und zu seinem Dienst besteht eine weitere Teilnahme an der Sendung Christi: die des Dienstes, der durch das Weihesakrament übertragen wird und zur Aufgabe hat, im Namen und in der Person Christi, des Hauptes, inmitten der Gemeinde zu dienen“ (Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 1591).

Die katholische Kirche kennt drei Weihestufen:

  • den Episkopat (Bischofsweihe)
  • den Presbyterat (Priesterweihe)
  • den Diakonat (Diakonenweihe)

Der Bischof empfängt dabei die Fülle des Weiheamtes. Die Priester haben Anteil am Amt des Bischofs. Die Diakone haben die Aufgabe, Bischöfen und Priestern in der Ausübung ihres Amtes zu helfen.

Der Bischof von Münster weiht alljährlich am Pfingstsonntag im St. Paulus-Dom Männer zu Priestern.

Weitere Informationen finden Sie auf folgenden Internetseiten

Berufene erzählen

Aus unserer Pfarrgemeinde St. Margareta haben sich zwei junge Männer auf den Weg gemacht, Priester zu werden. Daneben gibt es auch Gemeindemitglieder, die sich auf den Ständigen Diakonat oder auf eine Arbeit als Pastoralreferentin vorbereiten. Wir sind dankbar für alle, die in heutigen Tagen den Mut haben, sich dem Anruf Gottes zu stellen und diesen in einer Zeit der Vorbereitung, des Studiums und der praktischen Erfahrung zu prüfen.

Unsere beiden Priesteramtskandidaten haben sich 2012 am dritten Ostersonntag, dem sogenannten „Sonntag vom Guten Hirten“, unserer Pfarrei im Rahmen einer Statio vorgestellt. Im Folgenden können Sie Ihr Glaubenszeugnis und Ihren Lebenslauf lesen und somit an ihrem Berufungsweg teilnehmen.

Lebenslauf:

Bernd_Bettmann_PortraitGeburtsjahr: 1981
Grundschule, Hauptschule
Ausbildung zum Landmaschinenmechaniker
Zivi als Hausmeistergehilfe im Seniorenheim in Wadersloh
Danach zurück in den erlernten Beruf
Ab September 2009: Studium für 4. Jahre

Statio / Glaubenszeugnis:

„Zum Beispiel: Du!, oder Du!, oder Du!“ so lautet das Leitwort des Gute-Hirte- Sonntags 2012, den wir heute hier gemeinsam feiern. Es ist bei uns im Bistum Münster gute Tradition, dass dieser 4. Sonntag nach Ostern der Weltgebetstag für geistliche Berufung ist. Aber was ist (eigentlich) Berufung? Im religiösen Kontext das Verspüren eines „inneren Rufes“ zu einer bestimmte Lebensaufgabe oder einen bestimmten Dienst in der Kirche. Vielleicht ist es am einfachsten, wenn ich ganz konkret erzähle, wie es mir abgelaufen ist.

Mein Name ist Bernd Bettmann, (ich) bin 31 Jahre alt und komme aus der Bauernschaft Bornefeld bei Wadersloh. Nach der Grundschule und der Hauptschule habe ich eine Ausbildung zum Landmaschinenmechaniker in einem Wadersloher Betrieb absolviert.

Nach der Ausbildung habe ich meinen Zivildienst als Hausmeistergehilfe im Seniorenheim in Wadersloh geleistet und bin danach erst mal in meinen erlernten Beruf zurückgegangen. Neben der Schule und Beruf bin ich unter anderen jahrelang Messdiener gewesen, und ich habe mich in der Katholischen Landjugendbewegung erst auf Ortsebene und dann auf Diözesanebene engagiert.

Schon nach meinen Realschulabschluss habe ich kurz überlegt, irgendwas „Geistliches“ zu machen, aber ich habe mich dann doch für das Handwerk entschieden. Aber ein „innerer Ruf“ blieb, mal schwächer mal stärker. Irgendwann habe ich mich dann mal ganz unverbindlich informiert. Erst so ganz versteckt in Gesprächen mit unseren Priester und ständigen Diakonen der Gemeinde, dann habe ich mir mal ein Gesprächstermin in Münster bei der Diözesanstelle „Kirche und Beruf“ geben lassen. Alles ganz unverbindlich und ohne jeden Druck.

Diese haben mich dann zu einem Wochenende im Priesterseminar in Münster eingeladen, wo sich viele Gleichgesinnte getroffen haben. Dort gab es auch eine Begegnung mit Priesteramtskandidaten, die in Einzelgesprächen ganz locker von Ihrer Berufung erzählt haben und plötzlich wurde mir bewusst, dass diese genau die gleichen Gedanken und Probleme gehabt haben. Sie können sich vielleicht vorstellen, welche Probleme das waren? Zum Beispiel, wie erzähle ich das meinen Eltern, meiner Familie oder meinen Freundeskreis? Es ist ja heute leider nicht mehr selbstverständlich einen geistlichen Beruf anzustreben, in dieser Zeit und bei dieser Kirche, bei den neuen Strukturen und dem Verfall des Glaubens in der Gesellschaft.

Und dann das Zölibat, die Sorge meiner Familie, dass es keine Hochzeit, keine Kinder oder Enkelkinder gibt und vieles mehr.

Aber was hat mich dann bewogen doch diesen Schritt zu wagen?

Es war dieser kleine „innere Ruf“ der unaufhörlich leise aber stetig da war. Und irgendwann nach weiteren Gesprächen mit dem Regens, das ist der Verantwortliche für die Priesterausbildung im Bistum Münster, habe ich mir dann selber gesagt: Entweder wagst Du jetzt diesen Schritt oder Du musst mit dem Thema abschließen es beiseite legen, doch dann darf du dir später keine Vorwürfe machen, diese Chance nicht genutzt zu haben.

Dann habe ich es gewagt und die Anmeldeunterlagen ausgefüllt. Eigentlich mit Zweifeln und mit der Frage: „Will diese Kirche mich“. Denn im Vergleich zu viel von Ihnen die hier sitzen, ist mein Glaube sehr klein. Ein kleine Pflanze, die aber mit guter Pflege wachsen und gedeihen kann.

Aber man hat mir von Seiten der Ausbildungsverantwortlichen und der Bistumsleitung das „JA“ gegeben, mit einem Beisatz, der mich heute noch sehr beschäftigt. Man sagt zu mir: „Studium ist eine Zeit des Ausprobierens, der Einübung und der Pflege des Glaubens. Wir wollen keine perfekten Menschen im Glauben, sondern Menschen die Feuer gefangen haben vom Glauben und der Glauben weiter wachsen kann. Sollten Sie mal wären des Studiums merken, dass es doch nichts für sie ist, dann sagen sie es, weil es gibt, nichts Schlimmeres als Priester, die unglücklich sind. Das wirkt sich auch auf die Gemeinde aus.“

Dann im September 2009 begann für mich die Ausbildung. Anders als für die Studenten die in Münster studieren, denn ich habe kein Abitur. Die Studenten mit Abitur gehen ganz normal ca. zehn Semester das heißt ca. fünf Jahre zur Uni und wohnen in dieser Zeit im Priesterseminar in Münster.

Ich aber wurde nach „St. Lambert“ geschickt. Eine Einrichtung, die einmalig ist in Deutschland. Dort kann man Theologie studieren auf dem 3. Bildungsweg auch ohne Abitur. Als Abschluss bekommt man dann natürlich auch nur einen kirchlichen Abschluss in Theologie und keinen staatlichen Abschluss.

Die Einrichtung „St. Lambert“ liegt im Bistum Trier etwa 20 km von Bonn entfernt bei Bad Neuenahr-Ahrweiler. Dort studieren zu Zeit etwa 40 Studenten aus ganz Deutschland, genau gesagt aus 21 Bistümern und 2 Ordensgemeinschaften. Das Alter der Studenten liegt zwischen 25 und ca. 45 Jahren. Anders als an der Uni kommen die Dozenten für die einzelnen Fächer zu uns ins Haus und dozieren in den hauseigenen Vorlesungssälen. Es sind aber meisten die gleichen Dozenten, die an der Uni unterrichten.

Die theologische Ausbildung erstreckt sich über 4 Jahre, also ca. ein Jahr kürze als an der Uni. Dieses ergibt sich durch die kleinen Einheiten, das höhere Alter der Studenten, der höheren Wochenstundenzahl und dem angepassten Studium für den Priesterberuf.

Nach dem Abschluss kehre ich dann ins Bistum Münster zurück und werden genau wie die Studenten, die ihren Abschluss in Münster machen ins einjährige Gemeindepraktikum gehen. Nach diesem Jahr steht dann die Diakonenweihe an und ein Jahr später am Pfingstsonntag die Priesterweihe.

Dieses ist ein Beispiel von geistlicher Berufung, mein Beispiel, aber es gibt noch viele, viele andere. Denn die Vielfalt an Berufen im Raum der Kirche ist groß. Denken wir nur mal die ständigen Diakone, die vielen Ordensgemeinschaften in ihrer Vielfalt, die Religionslehrerinnen und Religionslehrer, die Pastoralreferentinnen und Pastoralreferenten aber auch an die vielen, hier aus der Gemeinde, die in der Glaubensweitergabe, im Besuchsdienst der Kranken, in der Caritas, als Lektoren und Kommunionhelfer, im Pfarrgemeinderat, Kirchenvorstand oder in den Ortsausschüssen tätig sind. Auch dazu muss man berufen sein.

Besonders schön und kraftgebend sind auch die kleinen Gesten (hier) aus der Gemeinde. Ein „Du bist auf dem richtigen Weg!“ oder einfach „Schön das es Berufungen auch heute bei uns noch gibt“. Und dieses ist mir ganz besonders wichtig, dass ich nicht allein auf dem Weg bin, sondern weiß das auch andere aus unserer Gemeinde auf dem Weg sind, z.B. zur Pastoralreferentin oder Pastoralreferenten, zum ständigen Diakon, ja sogar zum Priester. Das ist in der heutigen Zeit nicht mehr selbstverständlich, aber vielleicht beten wir heute mal gemeinsam um geistliche Berufungen und stellen uns auch mal ganz konkret die Frage: Warum nicht „Zum Beispiel: Du!, oder Du! Oder Du!“.

Lebenslauf:

Joachim_Brune_Portrait021984 Geburt in Lippstadt.

1991-1995 Wilhelm Hüffer Grundschule in Liesborn.

1995-2004 Gymnasium Johanneum in Wadersloh.

2004 bis 2005 Zivildienst in der Kirchengemeinde SS. Cosmas und Damian.

2005 bis 2011 Theologiestudium in Aachen und Münster.

Seit 2010 Studium der Erziehungswissenschaften.

Seit 2011 Aufbaustudium im Kanonischen Recht.


Statio / Glaubenszeugnis:

Liebe Schwestern und Brüder,

Sie alle kennen das: Bilder und Vergleiche sind immer wieder für uns hilfreich. Bilder und Vergleiche können unseren Horizont weiten und tiefe Einsichten herbeiführen. Jesus wusste dies. Darum hat er sehr oft Bilder und Vergleiche gebraucht. Heute hören wir im Evangelium das Bild vom guten Hirten und den Schafen. Dass wussten alle. Die Schafe kommen ohne Hirten nicht aus. Der Hirte sorgt, der Hirte beschützt, der Hirt geht nach, der Hirt schenkt Geborgenheit und Halt. Der Hirt eröffnet neue Weideplätze und damit neue Möglichkeiten. Hirt und Schaf das gehört zusammen, dass ist eine glückliche Einheit. Im Bild des Hirten wird den Menschen damals und uns heute vor Augen gestellt, wie Jesus ist.
Er sorgt, er schützt, er geht nach, er schenkt Halt und Geborgenheit. Er ist da.
Er lädt ein in ihm und mit ihm und durch ihn neue Möglichkeiten zu empfangen.
Er lädt uns ein, dass wir in der Beziehung zu ihm Sinn erfahren und gleichsam über uns selbst hinauswachsen.

Wen wundert es, dass die Menschen sich seit mehr als 2000 Jahren auf Jesus Christus hin ausrichten!
Wen wundert es, dass Menschen im Glauben Hoffnung, Mut, Vertrauen und Kraft empfangen haben.

Liebe Schwestern und Brüder,
entscheidend ist, dass der Glaube an ihn weitergegeben wird.
Entscheidend ist, dass es zu allen Zeiten in seiner Nachfolge Hirten gegeben hat und gibt und geben wird, die in seinem Namen die Frohe Botschaft weitertragen und die Hirtensorge wahrnehmen.

Da sind die bestellten und geweihten Priester und Diakone, so auch die sieben Priesteramtskandidaten, die am letzten Sonntag in Münster zu Diakonen geweiht worden sind und sich nun auf die Priesterweihe vorbereiten.
Da sind die beauftragten Seelsorgerinnen und Seelsorger, da sind die Ordensleute, da sind im Grunde alle Christen, also wir alle hier, die wir Anteil haben an der Hirtensorge, um miteinander und füreinander die Liebe Gottes, die in Jesus Christus Mensch geworden ist, weiterzugeben und erfahrbar zu machen.
Sehr dankbar bin ich, dass mir persönlich im Bild unseres Evangeliums viele gute und glückliche Erfahrungen geschenkt worden sind, eigentlich schon in die Wiege gelegt worden sind.

Ich denke an meine Familie und die Verwandtschaft.
Ich denke an unsere Nachbarschaft.
Ich denke an die Messdienergruppen und die KjG.
Ich denke an meine Zeit als Zivi in der Pfarrgemeinde.
Ich denke an meine Schulzeit im Gymnasium Johanneum.

Die vielen guten Erfahrungen und Begegnungen hier in meiner Heimat haben mich geprägt, haben mir einfach gut getan und haben mich bewegt, weiter und tiefer in die Glaubensbotschaft einzutauchen. Mit Freude und starkem Interesse habe ich Theologie studiert und mein Theologiestudium inzwischen abgeschlossen. Ich bin froh, dass ich hier in dieser Gemeinde meine Wurzeln habe – ohne Frage „Glaubenswurzeln!“

Ich weiß, wie wichtig die Gemeinde für den einzelnen Christen ist.
Ich weiß, wie wichtig der Hirte für die Gemeinde ist. Dass unsere Gemeinden so sehr im Umbruch sind, das es so viele Umstrukturierungen gibt, dass liegt auch daran, dass es zu wenige Hirten gibt. Persönlich bin ich bereit, mich in Dienst nehmen zu lassen und in der Kirche in Verantwortung mitzuarbeiten. Das kann ich nur tun, weil ich ganz, ganz vielen Menschen begegnen durfte, die mir immer neu und auf je andere und persönliche Weise gezeigt haben, dass sie aus dem Glauben leben. Tragen und getragen werden, das ist wohl das Grundprinzip der christlichen Gemeinde. Es ist sicher, Menschen stellen Fragen nach dem woher und wohin, nach dem Sinn und dem Ziel ihres Lebens. Der große Theologe des 20. Jahrhunderts Karl Rahner hat einmal so formuliert:
„Wir kommen ganz schnell an unsere Grenzen, wenn wir nicht eins sind mit dem, der keine Grenzen hat: mit Jesus Christus.“

Dieser Jesus Christus wird da lebendig, greifbar und spürbar, wo Menschen in seinem Namen versammelt sind. Da kann der Funke überspringen. Von Herzen wünsche ich uns, dass wir immer wieder zusammen kommen, um den Glauben zu feiern.

Und noch ein letztes: Nach kriegerischen Tagen erlebt Goethe im Rheingau zufällig eine Fronleichnamsprozession. Die damalige Zeit war nach den Kriegswirren keine gute alte Zeit. Die Kinder sprangen so unflätig und undiszipliniert herum. Goethe fragte, woran dies denn wohl läge und man sagte ihm: Diese Kinder sind in schwerster Zeit aufgewachsen. Sie haben keine guten Erinnerungen. Darum können sie nicht anders. Dazu meinte Goethe sehr nachdenklich: Ja, so ist es: Nur wer sich des Guten erinnert, der kann hoffen.

Liebe Schwestern und Brüder,
die gute Erinnerung, ich möchte sagen, die beste Erinnerung feiern wir hier in der Kirche. Wir erfüllen seinen Auftrag: Tut dies zu meinem Gedächtnis. Dabei ist es nicht nur eine Erinnerung. Es ist die Vergegenwärtigung.
Ich wünsche uns allen, dass diese Feier in unseren Kirchen regelmäßig gefeiert werden kann.

Ich wünsche uns und ich lade sie dazu ein, dass wir an diesem Sonntag, den Sonntag der geistlichen Berufe und Berufungen um Nachwuchs bitten und beten. Die Bitte um Nachwuchs wird da gelebt, wo Menschen zusammen kommen und miteinander beten und miteinander Gottesdienst feiern.

Dankbar bin ich dafür, dass ich dies hier in meiner Heimat stets erlebt habe. Amen.