Geistlicher Impuls vom 24. Juni: Lass mich nie mehr los

Impuls von Dominik Potthast, Pastoralreferent

Bild von Jill Wellington auf Pixabay

Im Matthäusevangelium hören wir von einer sehr beachtenswerten Begegnung zwischen Jesus und Petrus (Mt 14,22-33, Übersetzung Gute Nachricht)

Jesus drängte seine Jünger, ins Boot zu steigen und ans andere Seeufer vorauszufahren. Er selbst wollte erst noch die Menschenmenge verabschieden. Als er damit fertig war, stieg er allein auf einen Berg, um zu beten. Als es dunkel wurde, war er immer noch dort. Das Boot mit den Jüngern war inzwischen weit draußen auf dem See. Der Wind trieb ihnen die Wellen entgegen und machte ihnen schwer zu schaffen. Im letzten Viertel der Nacht kam Jesus auf dem Wasser zu ihnen. Als die Jünger ihn auf dem Wasser gehen sahen, erschraken sie und sagten: »Ein Gespenst!«, und schrien vor Angst Sofort sprach Jesus sie an: »Fasst Mut! Ich bin’s, fürchtet euch nicht!« Da sagte Petrus: »Herr, wenn du es bist, dann befiehl mir, auf dem Wasser zu dir zu kommen!« »Komm!«, sagte Jesus. Petrus stieg aus dem Boot, ging über das Wasser und kam zu Jesus. Als er dann aber die hohen Wellen sah, bekam er Angst. Er begann zu sinken und schrie: »Hilf mir, Herr!« Sofort streckte Jesus seine Hand aus, fasste Petrus und sagte: »Du hast zu wenig Vertrauen! Warum hast du gezweifelt?« Dann stiegen beide ins Boot, und der Wind legte sich. Die Jünger im Boot warfen sich vor Jesus nieder und riefen: »Du bist wirklich Gottes Sohn!«

Passend zu dieser Textstelle haben Pfarrerin Heidrun Rudzio von der evangelischen Kirchengemeinde Wadersloh und ich in der Sekundarschule Wadersloh eine kleine Andacht bei der Zeugnisvergabe ein Lied von den Sportfreunden Stiller vorgespielt („Lass mich nie her los“).

„Lass mich nie mehr los!“ Die Sportfreunde Stiller haben es in meiner Wahrnehmung als Liebeslied gesungen. Ich denke, auch Petrus könnten wir diese Worte in den Mund legen. „Lass mich nie mehr los, Jesus! Ich will nicht ertrinken!“

Lass mich nie mehr los! Damit kann das beherzte Zugreifen mit der Hand gemeint sein. Aber natürlich auch die Bitte, immer für einen da zu sein, für immer zueinander zu gehören.

Immer wieder gibt es aber auch Situationen, in den wir loslassen müssen. Das gilt natürlich für die Schülerinnern und Schüler der Sekundarschule, aber auch bei vielen Lebensabschnitten. Manchmal beginnt etwas Neues. Das kann eine neue Arbeitsstelle sein oder auch das Ende einer Beziehung oder Freundschaft.

Dann muss man das Boot verlassen. Petrus hat den Schritt gewagt. Er hat das schwankende Boot hinter sich gelassen. Doch dann kam nach kurzer Strecke Zweifel und Angst und er verlor allen Mut. So alles hinter sich lassen ist nicht so einfach.

Jesus hilft Petrus. Er merkt, dass Petrus es mit der Angst zu tun bekommt. Und Jesus reicht ihm die Hand. Er zieht ihn aus dem Wasser und kümmert sich um Petrus und um die anderen Jünger.

So wie Petrus möge auch uns Jesus immer zur Seite stehen. Ich wünsche uns, dass wir immer wieder Gottes Nähe auf unserem Lebensweg spüren. So wie wir hoffentlich immer wieder Menschen an unserer Seite haben, die für uns da sind, so sind wir auch Gott nicht egal. Ich vertraue darauf, dass Gott uns nie mehr loslassen will, wenn wir nach seiner ausgestreckten Hand greifen.

Impuls von Dominik Potthast, Pastoralreferent