Aus dem Glauben handeln – für ein Miteinander ohne Ausgrenzung

Peter Weidemann in Pfarrbriefservice.de

Eine Stellungnahme der katholischen Kirchengemeinde St. Margareta

In der Seelsorge und in der Caritasarbeit erfahren wir Lebensgeschichten, die uns betroffen machen. Wir als Kirchengemeinde nehmen mit Sorge wahr, dass Ausländer für Missstände in unserer Gesellschaft verantwortlich gemacht werden, dass Fremden ein wirtschaftlicher Niedergang angelastet und verallgemeinernd Angst verbreitet wird. Wir warnen vor Fremdenhass, der für die Taten ausländischer Krimineller ganze Volksgruppen verantwortlich macht. Das bedeutet nicht, dass es keine Missstände gibt. Auch so genannte schwarze Schafe gibt es überall. Doch Sorgen vor Überfremdung, die sich in Leitkulturdebatten äußerten und bis heute geführt werden, dürfen nicht in Schubladendenken enden. Vorurteile dürfen nicht die Maxime unseres Handelns sein, sondern die Sorge um jeden einzelnen Menschen.

Gerade in der Caritasarbeit haben wir mit Menschen aus ganz unterschiedlichen Milieus und Nationalitäten zu tun. Wir trennen nicht nach äußeren Merkmalen, weil uns jeder Mensch wichtig ist. Unser Ziel ist, Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten. An dieser Stelle weisen wir darauf hin, dass wir viele Menschen guten Gewissens mit Spendengeldern unterstützen, Wege aus finanziellen Nöten aufweisen, an weitere soziale Einrichtungen vermitteln und auch Erfolge aufweisen können. Wir konnten Menschen von hier und Zu-uns-Gekommene in ein ohne äußere Hilfe gelingendes Leben verhelfen. Auch weiterhin werden wir uns durch unsere Arbeit im Caritas-Sozialbüro und in den Caritasgruppen unserer fünf Gemeinden für die Nöte aller Menschen einsetzen und in der Seelsorge sowie unseren vielen verschiedenen Gruppen für ein friedliches Miteinander in unserer Gesellschaft stark machen.

Wir als katholische Kirchengemeinde setzen uns für die Menschen ein, die Unterstützung suchen. Das verstehen wir als unseren christlichen Auftrag! Jesus Christus lehrt uns, den Nächsten zu lieben (Lukas 10,27) und schließt dabei selbst unsere Feinde ein (Lukas 6,27f.). Inspiriert durch sein Vorbild nehmen wir die Schwachen am Rande der Gesellschaft besonders in den Blick und setzen uns für sie ein. Getragen fühlen wir uns dabei auch vom jüdisch-christlichen Menschenbild: Der Mensch ist von Gott als sein Abbild erschaffen. Das gibt jedem Menschen eine unantastbare Würde. Zu Recht wurde diese Würde in unser deutsches Grundgesetz aufgenommen (Artikel 1).

Der siebte Leitsatz des lokalen Pastoralplans unserer Kirchengemeinde lautet: „Die Werte, die aus unserem christlichen Glauben hervorgehen, prägen unser Leben. Wir bemühen uns, diese glaubwürdig zu leben.“ Unser Einsatz kennt dabei keine Grenzen aufgrund von Religions- und Konfessionszugehörigkeit, Nationalität, Alter, Geschlecht, Krankheitsgrad und Leistungsfähigkeit. Wir orientieren uns an den Aussagen des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) und fühlen uns mit allen Menschen verbunden. „Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute, besonders der Armen und Bedrängten aller Art, sind auch Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Jünger Christi (Gaudium et Spes 1).“

Jesus Christus beauftragt uns, für den Frieden einzustehen. Unter Frieden verstehen wir viel mehr als die Abwesenheit von Krieg und Streit, es geht positiv um ein gelingendes Leben, um ein gemeinschaftliches Zusammenhalten, das auch die Schwachen trägt. Dieser Auftrag gilt weltweit, weshalb wir als Kirchengemeinde eine Partnerschaft mit der Kirchengemeinde St. Francis Yapei (Ghana) leben, uns kulturell austauschen, uns unterstützen und im Gebet verbunden wissen.

Fremdenhass widerspricht unserem christlichen Weltbild. Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen zu uns fliehen und bei uns Schutz suchen, genießen die gleiche Menschenwürde wie diejenigen, die von hier stammen oder schon länger hier leben. Schon im Alten Testament wird darauf hingewiesen, die Fremden zu achten, weil das Volk Israel selbst die Erfahrung gemacht hatte, in Ägypten fremd und unterdrückt worden zu sein, bevor Gott rettend eingeschritten ist (Deuteronomium 5,14f.).

Wir wollen Menschen, die Schutz benötigen, mit unseren Möglichkeiten beistehen. Das schließt Menschen, die verfolgt werden, ein. Auch die frühen Christen haben Verfolgungen erleben müssen, angefangen im Jahr 64 n. Chr., als Kaiser Nero nach dem Brand Roms die Anhänger Jesu als Sündenböcke hinrichten ließ. Auch unsere deutsche Geschichte, in der unsere Landsleute sowohl verfolgt haben als auch vertrieben wurden, macht uns solidarisch mit den Menschen, die heute fliehen müssen.

Zu unserer Kirchengemeinde gehören Menschen unterschiedlicher Nationalitäten, die sowohl ehrenamtlich als auch hauptamtlich aktiv sind. In unseren verschiedenen Gruppen bringen sich nicht nur Katholiken ein. Wir sind eine vielfältige Gemeinschaft, in der Menschen sich mit ihren Talenten und Fähigkeiten einbringen. Wir bedanken uns bei allen, die sich für ein friedliches Zusammenleben einsetzen und im Sinn christlicher Nächstenliebe engagieren. Uns liegen die Menschen am Herzen – alle!

Pfarreirat und Seelsorgeteam der katholischen Kirchengemeinde St. Margareta Wadersloh